1. Jobbörse
Jede Woche sehen wir sie wieder. Die kleinen, schicken
Flie?atzanzeigen in den Tageszeitungen. Wollen Sie 15.000,00 ? (nicht
italienische Lire) im Monat verdienen? Vielleicht als Bohrinselarbeiter in der
Nordsee? Als hochqualifizierter Maurer in Saudi-Arabien? Als ........ in wei?
der Henker wo?
Dann sollten Sie tunlichst diese 190-er Nummer zum
Spottpreis von 3,69 pro Minute anrufen.
Sie werden wom?lich erst nach mehrmaligen Versuchen durchkommen. Denken vielleicht
noch, schei? warum ist immer besetzt, wie viele wollen sich denn da
bewerben?
Nun, jetzt haben Sie es geschafft. Eine freundliche rauchzarte
Telefonstimme fordert Sie auf noch einen Augenblick in der Leitung zu bleiben,
Schaltet Sie beiseite und meldet sich nach 5 Minuten wieder bei Ihnen. Jetzt
haben Sie bereits 18,45 ? auf der Telefonrechnung.
Weitere 5 Minuten vergehen mit der Aufnahme Ihrer pers?lichen Daten.
36,90 ? sind auf der Telefonrechnung. Wieder eine kurze Unterbrechung von 5
Minuten - man muss Sie Weiterschalten zu Herrn oder Frau Wichtig. 55,35 ?.
Herr oder Frau Wichtig meldet sich, Sie sind zwischenzeitlich etwas
ungehalten ?er diese ganze Verz?erung, machen Ihren Unmut Luft, werden
sogleich bes?ftigt, es sei nun mal eben so, dass viele Anfragen bearbeitet
werden m?sten und dergleichen mehr. Nun sind noch einmal 10 Minuten
vergangen, Wissen tun Sie bis jetzt genauso viel wie zu Anfang. 92,25 ?.
Es werden noch einmal alle Daten abgefragt und best?igt, dann kommt die
ermunternde Nachricht: Rufen Sie bitte in 2 Std. wieder zur?k, man m?se
schlie?ich das von Ihnen dargestellte Profil und die Qualifikation mit dem
Auftraggeber abstimmen, aber Sie k?nen beruhigt sein, wahrscheinlich ist
alles passend. Noch einmal 15 Minuten. Insgesamt also 147,60 ? an der Uhr.
Nach zwei Stunden wiederholt sich das Ganze, ach ja, nicht zu vergessen,
mit dem Job ist es leider nichts - den Job den es nicht gibt - hat
angeblich ein besser qualifizierter Anrufer bekommen.
Jetzt haben Sie also f? rd. 300,00 ? telefoniert, um zu erfahren, dass
Sie einen Job den es nicht gibt, leider nicht bekommen k?nen.
2. Jobbörse mit Zahlungsaufforderung
Eine besonders interessante Variante ist die (vermeintliche) Jobvermittlung
mit Zahlungsaufforderung. Hier wird auf besonders hinterlistige Art und Weise
erst einmal "abgeklopft" wie viel "Taler" Sie denn
bittesch? noch verf?bar haben. Dann wird mit allen zur Verf?ung
stehenden psychologischen Tricks, Ihr Ego aufgestachelt. Eine Jobvermittlung
zum Nulltarif? Aber wo sind wir denn hier? Beim Sozialamt? Wir m?sen doch
auch Leben! Also, Sie bekommen jetzt erst einmal die Unterlagen f? Ihre
Bewerbung ?ersandt die f?len Sie dann sorgf?tig aus - und das Wichtigste
vergessen Sie nicht einen Scheck f? die Vermittlung beizulegen.
Die Unterlagen haben Sie am n?hsten Tag in der Post, trotz trostlosen
Wetter denken Sie: Welch ein sch?er Tag - werden Sie doch gerade Ihrer sauer
verdienten Ersparnisse beraubt (was Sie jetzt noch nicht wissen).
Freudestrahlend und gut gelaunt f?len Sie die hochwichtig aussehenden
Bewerbungsunterlagen aus - genauso gut k?nten Sie das Papier (wenn es nicht
so hart w?e) f? den Verbrauch auf dem Lokus deponieren.
Die Unterlagen sind ausgef?lt - der Scheck auch - eine Woche sp?er wird
Ihr Konto belastet, sehns?htig warten Sie jetzt auf Nachricht von Ihrem
k?ftigen Arbeitgeber - vergleichbar mit dem Theaterst?k "Warten auf
Godot". Kennen Sie nicht? Godot ist derjenige der nie kommt. Alles Klar?

Initialz?dung?