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Nigeria lockt - mit lockeren Dollars

Ist es nicht ein traumhaftes Angebot? Ein paar Hunderttausend Dollar, oder sogar ein paar Millionen Dollar innerhalb von wenigen Tagen zu verdienen? Nicht fürs Nichtstun, nein eine kleine Gefälligkeit ist schon erforderlich.

Stellen Sie sich vor, da sind so ein paar "arme" Leute in Nigeria die haben etliche Millionen Dollar irgendwo in der Ecke liegen - nicht ganz sauber verdient oder beschafft. Diese "armen" Leute plagt nun ein schreckliches Problem:

Es gibt erhebliche Schwierigkeiten, diese Dollars zu "reinigen" und außer Landes zu schaffen. Nun werden Sie vielleicht denken, dass ist kein Problem, fix ein paar Bankkonten - bei verschiedenen Instituten - eröffnen, fiktive Rechnungen schreiben und die Dollars ein paar Mal zwischen den Konten Hin- und herschieben.

Anschließend sind sie so sauber, als wären sie mit dem besten Waschmittel gewaschen worden.

Irrtum! Denn jetzt kommt das eigentliche Problem zu Tage (ob es stimmt konnte nicht überprüft werden)! Ein Konto, vielleicht auch zwei oder drei, kann jeder Einheimische in Nigeria eröffnen. Darf es bitteschön, ein Konto in Landeswährung sein? Nein, wollen Sie nicht? Devisenkonten können leider nur für Ausländer eingerichtet werden, bzw. für Einheimische wenn Sie Rechnungen im Ausland zu bezahlen haben, oder aber in das Ausland eine sonstige geschäftliche Überweisung tätigen wollen, dann - aber nur dann - können Sie das auch in Dollar tun. In solchen Fällen - aber nur in solchen Fällen - entfällt der Zwangsumtausch der Dollars in die (fast wertlose) Landeswährung.

Muss man solchen "armen" Leuten nicht helfen? Rührt sich da nicht das Gewissen, zumal man ja an den Dollarmillionen beteiligt werden soll?

Also, endlich ist es soweit! Ihr Gewissen ist gerührt (und zugleich beruhigt), Ihre Geldgier erwacht, Ihr Verstand wird ausgeschaltet, in Ihrem im linken Auge leuchtet das Dollarzeichen - und was Sie nicht sehen - im rechten Auge leuchtet "TILT".

Diesen Begriff kennen Sie nicht?

Spielen Sie mal eine Runde an einem "Daddelautomaten", treten Sie dabei kräftig gegen den Automaten - weil der Automat nicht macht was Sie wollen und Sie sich ärgern - was passiert dann? Richtig, der Automat zeigt Ihnen "TILT" und Sie können - wegen schwerer "Automatenmisshandlung" - nicht weiterspielen.

Nun haben Sie bei Geschäften mit den "armen" Leuten aus Nigeria nicht unbedingt eine körperliche Misshandlung zu fürchten, aber Ihr Geldbeutel - der sich ja eigentlich gewaltig Fällen sollte - wird dabei arg misshandelt werden.

Sie werden anschließend "etwas sparsam aus der Wäsche gucken", ?gern sich ?er Ihre eigene Dummheit, sind geneigt sich selbst in den Hintern zu beißen und laufen dabei Gefahr sich das Kreuz zu verrenken.

Wie konnte so etwas passieren? Diese Frage werden Sie sich fortan häufig stellen, mit dem Versprechen so etwas nie wieder zu tun. Wenn Sie nicht zwischenzeitlich Pleite sind, so werden Sie es aber doch wieder versuchen. Die Verlockung der "schnellen" Dollars ist zu groß und der Verstand wird wieder einmal ausgeschaltet werden!

Was war passiert?

Nach erster Kontaktaufnahme mit einem "seriösen" Herrn Dr. Obiara (oder ähnlich gut klingenden Namen) in Lagos (Hauptstadt von Nigeria) per Telefon oder Telefax, treten Sie zur Abwicklung des Geschäftes in einem kurzen aber intensiven Schriftverkehr.

Dr. Obiara wird Ihnen in diesem Schriftverkehr sein maßloses Leid klagen und Sie bitten, für die Abwicklung des Transfers doch einfach Ihr Konto bei Ihrer Bank zur Verfügung zu stellen.

Ganz so blöd sind Sie aber nicht! Schlau wie ein Fuchs, errichten Sie schnell ein gesondertes Konto, Sicher ist Sicher!

Ach ja, beinahe wäre es vergessen worden: Dr. Obiara teilt Ihnen mit, das für die große Transaktion noch gewisse - nicht ganz billige - Vorbereitungen in Europa zu treffen sind. Da er Gefahr läuft, bei der Mitnahme von Bargeld am Flughafen von Lagos verhaftet zu werden, sind Sie bitte so lieb und bringen bei dem in Kürze geplanten Treffen die notwendigen Finanzmittel - auf Vorschussbasis versteht sich - einfach mit. Jetzt hätte eigentlich bei Ihnen die Alarmglocke losgehen müssen - doch sie tut es nicht.

Blind wie Sie sind, haben Sie ? 150.000 Dollar in einem Koffer gepackt und ein Treffen mit Dr. Obiara in Brüssel, Paris, Zürich oder Wien vereinbart.

Gespannt stehen Sie am Ausgang des Flughafens. Ein sehr elegant gekleideter Herr im teuren Maßanzug eilt Ihnen entgegen. Die Zeit brennt, denn Dr. Obiara "muss" bereits mit der nächsten Maschine zurück nach Lagos.

Sie gehen also in das Flughafenrestaurant, Dr. Obiara zeigt Ihnen "wichtige" Unterlagen, die Sie nicht lesen können weil in einer für Sie unverständlichen Sprache geschrieben, es werden anschließend wertlose - weil nicht einklagbar - Verträge geschlossen, Sie händigen Dr. Obiara Ihre sauer verdienten Dollars aus, Dr. Obiara bedankt sich überschwänglich.

Jetzt ist für Dr. Obiara die Zeit gekommen zurück nach Lagos zu fliegen, denken Sie. Mit verträumten Blick schauen Sie dem Flugzeug nach und freuen sich auf die vermeintliche Millionenüberweisung.

Am liebsten würden Sie sich noch selbst auf die Schulter klopfen, was sind Sie doch f? ein As, haben Sie doch soeben das Geschäft Ihres Lebens gemacht.

Nach 4 Wochen Euphorie kommt so langsam die Ernüchterung. Die Dollars sind nicht eingetroffen, unter der angegebenen Telefon- bzw. Telefaxnummer erreichen Sie den liebenswerten Dr. Obiara nicht, Sie schreiben also an die angegebene Adresse einen Brief - Einschreiben mit Rückschein - und per Luftpost versteht sich.

Nach weiteren 4 Wochen bekommen Sie dann diesen Brief - mit viel Glück - als unzustellbar zurück. Nun fängt es langsam an bei Ihnen zu dämmern, Ihnen ist klar geworden, dass Sie der Nigeria-Connection aufgesessen sind. An Ihre Dollars können Sie einen Haken machen, die sind f? immer verloren.

Dr. Obiara ist natürlich nicht nach Lagos abgeflogen (auch wenn er im richtigen Flugzeug saß - bis zur nächsten Zwischenlandung), sondern flog - geschäftstüchtig wie er ist - gleich zum nächsten "Kunden" um das selbe Spiel zu wiederholen.

Alles weitere siehe oben.

Abgebürstet?

 

 

© 1998 - 2010 [SV Jens Leschmann]. Alle Rechte vorbehalten. Stand: 20. Juli 2010